80 Jahre Reichspogromnacht
1938 - 2018

In diesem Jahr gehen wir auf den 80.Jahrestag der Reichspogromnacht, der sogenannten "Reichs-Kristallnacht" von 9. November 1938 zu. 

Es wird in den verschiedenen Städten und Gemeinden sicher besondere Gedenkveranstaltungen dazu geben. Auf dieser Seite stellen wir Beiträge ein, die an dieses Ereignis erinnern und zur Behandlung im Schulunterricht oder zu entsprechenden Gedenkfeiern ermutigen.

Unterrichtsentwurf
zur Reichspogromnacht

von Schuldekan Thorsten Trautwein, Calw

 

Der Calwer Schuldekan Thorsten Trautwein hat auf seiner Homepage einen Unterrichtsentwurf zur 80-jährigen Wiederkehr der Reichspogromnacht eingestellt. Er trägt den Titel: 

Einer widersetzt sich:

Pfr. Julius von Jan und seine Predigt am Bußtag 1938

 

Der Entwurf zielt auf eine Unterrichtseinheit in der Sekundarstufe 1 oder 2, und bietet Möglichkeiten der Erarbeitung und Auseinandersetzung in unterschiedlicher Intensität und auf verschiedenen Niveaustufen. Die Einheit wird mit einem Gedenk-Gottesdienst abgeschlossen. Das entsprechende Material für die Gestaltung eines Schul- oder Gemeindegottesdienstes gilt dem Buß- und Bettag 2018.

Auf der Website finden sich außerdem viele Arbeitsmaterialien zur Pogromnacht und zu Pfarrer Julius von Jahn. Auch ein Entwurf für den Konfirmandenunterricht sowie ein Vorschlag für die Erwachsenenbildung stehen bereit.

Wir empfehlen Ihnen, sich die Materialien anzuschauen, sie ggf. herunterzuladen und das Thema in geeigneter Weise in Ihrer Schulklasse zu behandeln.

Bitte planen Sie es beizeiten im Herbst 2018 ein.

 

Den Link zur Seite finden Sie hier:

https://www.schuldekan-calw.de/id-80-jahre-reichspogromnacht.html

Julius von Jan
ist am 17.4.1897 geboren und am 21.9.1964 gestorben. Er war 1923 Vikar in Weilimdorf, in der Hitlerzeit Pfarrer in Oberlenningen. In seinem Lebenslauf schreibt er darüber:


„Nach der Kristallnacht 1938 rief ich am Bußtag, 16.11.1938, in meiner Predigt Volk und Kirche zur Buße für die Verbrechen, die von uns am jüdischen Volk begangen worden waren. Damit hatte ich die wundeste Stelle des Nationalsozialismus angetastet und stand nun obendran auf der schwarzen Liste. Am 25. November 1938, von SA aus Nürtingen und Umgebung überfallen und misshandelt, wurde ich in Untersuchungshaft gebracht. November 1938 bis Februar 1939 hatte ich im Gefängnis Kirchheim u.T. freundliche Richter und Wächter. Als dort die Gemeinde Oberlenningen und die Christen des Kirchheimer Dek. Bezirks mir allzu viel Sympathie bekundeten, wurde ich ins Stuttgarter Gefängnis überführt, Ende März 1939 vom Gericht aus der Untersuchungshaft entlassen, aber von der Gestapo weiter gefangen gehalten und Mitte April 1939 aus Württemberg und Hohenzollern ausgewiesen. Mit meiner kranken Frau und meinem 4jährigen Sohn fand ich Zuflucht in Bayern. Als ich dort zu predigen begann und meinen Wohnsitz nach Ortenburg verlegte, wurde ich zu der längst gegen mich geplanten Sondergerichtsverhandlung nach Stuttgart vorgeladen und zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt wegen Vergehens gegen die den „Kanzelparagraphen“ und gegen das „Heimtückegesetz“. Nach fünfmonatiger Haft wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.“


Julius von Jan war nach dem Krieg Pfarrer in Stuttgart-Zuffenhausen und verbrachte seinen Lebensabend im Korntal. Sein vorbildhaftes, biblisch orientiertes Bekenntnis in seiner Zeit sollten wir nicht vergessen – eine Herausforderung auch für uns.